Autor Thema: Offener Brief an die öffentlich rechtlichen Fernsehsender  (Gelesen 9167 mal)

TochterEgalias

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Offener Brief an die öffentlich rechtlichen Fernsehsender
« am: Januar 31, 2013, 21:31:44 Nachmittag »
Liebe ARD, liebes ZDF und liebe dritte Programme,

ich finde es toll, dass ihr über Sexismus in euren Programmen berichten wollt. Ich finde es
toll, dass nun im Fernsehen endlich wieder darüber debatiert wird, dass endlich eine
Öffentlichkleit für dieses Thema geschaffen wird, was schon lange überfällig ist. Ich finde
es auch toll, dass ihr auch mal neue Leute dazu zu Wort kommen lasst, die bisher vielleicht
nicht so bekannt sind, aber sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigen und
auseinandersetzen.

Aber: Die Art und Weise, wie ihr über das Thema Sexismus berichtet, ist schrecklich und
unangemessen und falsch!

Es gibt in dieser Gesellschaft ein Problem, ein Problem, das einen ziemlich großen Teil der
Bevölkerung betrifft, nämlich die meisten Frauen* in diesem Land. Aus der Studie
des BMFSFJ von 2010, "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen" geht hervor,
dass rund 58 Prozent der befragten Frauen* sexuelle Belästigung in ihrem Leben erfahren
haben und die Dunkelziffer dürfte hoch sein.
Deswegen ist es eigentlich kein Wunder das nun endlich viele Frauen*,
nachdem das Thema einmal angestoßen ist, den Mut finden, sich zu diesem Problem zu äußern,
welches sich durch ihr ganzes Leben zieht.
Es ist eigentlich nur ein Wunder, dass es so lange gebraucht hat, denn die Einschränkungen,
die der alltägliche Sexismus mit sich bringt sind enorm.

Und nun kommt ihr, liebes Fernsehen, und wollt darüber berichten - Sehr schön!
Aber meint ihr nicht, dass ihr dieses tiefgreifende und ernste Thema in einer angemessenen
Form behandeln wollt?
Meint ihr nicht, dass ihr einem Thema, welches einen Großteil der Bevölkerung so dermaßen in
ihrem alltäglichen Leben einschränkt und welches so menschenverachtende Außwirkungen, bis
hin zu Vergewaltigung und sogar Mord hat, einen angemessenen Platz in euren Sendungen geben
wollt?

Ich denke, niemand wird behaupten, dass dies bisher der Fall war.
Die Talk-Runde bei Jauch war ein Desaster, noch viel, viel schlimmer, war die Sendung
ZDF-Login, aber wenn ihr Twitter lest, dann wisst ihr das sicher schon. Etwas
zuversichtlicher hat mich die Sendung bei Anne Will gestimmt, noch ist vielleicht nicht
Hopfen und Malz verloren.

Aber, was das Eigentliche ist, was hier schief läuft: Ihr packt das Thema völlig falsch an!
Es ist dermaßen unangemessen, über solch ein ernstes, tiefgreifendes und für die ganze
Gesellschaft relevantes Thema, in Talk-Shows mit scheinbar willkürlich eingeladenen Gästen,
vollkommen plattt und mit unzureichendem Ernst darzustellen.
Falls ihr wirklich mal in Twitter reinschaut, dort machen sich viele Menschen, oft Männer*
über das Problem lustig. Wisst ihr wie sich das anfühlt, wenn man den Schaden hat und dann
dafür auch noch verhöhnt wird? Ist das eine respektable Art und Weise, wie Menschen in
diesem Land behandelt werden sollten?

Liebe öffentlich rechtlichen Sernder, ihr habt einen Bildungsauftrag! Man kann es nicht oft
genug betonen.

Die meisten Menschen in euren Sendungen, die sich zu dem Thema Sexismus bisher geäußert
haben, wissen nicht einmal genau, was das Wort Sexsismus bedeutet.
Viele meinen, auch in euren eigenen Reihen, dass es mit Sex zu tun hat und setzen es gern mit
sexueller Belästigung gleich.
Dadurch entstehen dann solche Äußerungen wie, "Ja, aber Männer* werden auch sexistisch
belästigt". Nein. Werden sie nicht. Was ihr meint ist "sexuell belästigt". Wenn es so wäre,
dass Männer* und Frauen* gleichermaßen von sexueller Belästigung und vor allem auch
sexueller Gewalt betrofen wären(!), dann wäre das zwar auch schlimm, es hätte aber null
Komma nichts mit Sexismus zu tun. 
Bitte, bite, bitte, informiert euch doch einmal über das worüber ihr da berichtet. Es geht
nicht nur um sexuelle Belästigung. Es geht um Sexismus! Und sexuelle Belästigung von
Frauen*, ja und nur von Frauen*, ist nur eine Ausprägung davon. Es ist Sexsismus, WEIL
hauptsächlich Frauen* davon betroffen sind!

Bitte, bitte, liebe Sender, fahrt das Thema nicht an die Wand und berichtet dann nächste
Woche über Anderes. Es ist ein so wichtiges Thema und wir haben viel zu lange darüber
geschwiegen. Es gibt so viel für euch zu tun. Klärt auf, macht euch selbst schlau, erklärt,
erklärt, erklärt! Denn dafür brauchen wir euch. Weil wir es nicht schaffen, dauernd zu
erklären, weil wir teilweise des Erklärens schon müde geworden sind.
Noch habe ich Hoffnung, dass ich, wenn ich, in nicht all zu ferner Zukunft, das Wort
"Sexismus" in den Mund nehme, dass die Menschen um mich herum wissen, was ich dann meine und
nicht glauben, ich würde von sexueller Belästigung oder von Flirten reden.

Und falls jemand immer noch nicht weiß worum es geht. Es geht um
Benachteiligung beim Lohn,
Festlegung der Frau* auf die Mutterrolle,
Hausarbeit,
sexuelle Belästigung,
Vergewaltigung,
Schlechtere Aufstiegschancen im Beruf,
Übersexualisierung und objektifizierung in den Medien und in der Werbung,
Einschränkung von Mädchen aufs niedlich und lieb sein,
rosarotes Spielzeug,
Unterstellung nicht mit Technik umgehen zu können,
Weniger Potential zum Genie zu haben, als Männer*
Unterstellung nicht logisch denken zu können,
eine weibliche Intuition zu haben,
den Mythos multitasking-fähig zu sein,
nicht autofahren zu können,
nicht einparken zu können,
von der Venus zu sein,
Sex weniger wichtig zu finden, ...

und noch so viele tausend Dinge mehr, dass ich sie hier gar nicht alle aufzählen könnte.
Und das ist alles Sexismus.

Ihr hattet auch schon einige seltene Beiträge, die wenigstens etwas in die richtige Richtung gehen.
Sexismus-Aufschrei: Ende des Schweigens
Panorama 3 - 29.01.2013
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama_3/panoramadrei475.html

Und vor Allem, die tolle aufklärende Sendung "Mann und Frau - der kleine Unterschied" vom 3. Mai 2005. http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2005/0503/wahrnehmung_uebersich.jsp
Ihr konntet es doch mal, bevor diese "Männer sind so" und "Frauen sind anders" Welle kam.

Also bitte, berichtet weiter über Sexismus, aber richtig!
« Letzte Änderung: Februar 01, 2013, 09:44:58 Vormittag von TochterEgalias »

TochterEgalias

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Re: Offener Brief an die öffentlich rechtlichen Fernsehsender
« Antwort #1 am: Februar 02, 2013, 19:24:26 Nachmittag »
Ich habe eine Antwort vom ZDF bekommen. Sehr ergiebig finde ich sie nicht, nun ja, war wahrscheinlich nicht anders zu erwarten. Den Hinweis auf die Sendung "Illner" empfinde ich als pauschalisiert (vielleicht sogar Copy&Paste aus ner anderen Mail, die sich an jemanden richtete, der*die kritisierte, dass das Thema zu viel Raum einnimmt?)
Und zu gerne würde ich ja wissen, was nun genau von meiner Kritik bei den "thematisch angesprochenen Redaktionen" ankommt, bzw. wie es aufgenommen wird.
Nunja, lest selbst:

Sehr geehrte Frau *,

vielen Dank für Ihre E-Mail an das ZDF.

Mit seinen Gesprächssendung „maybrit illner“ will das ZDF einen Beitrag zur Aufklärung und öffentlichen Diskussion hierzulande leisten. Die Sendung hat dabei, etwa zugespitzter als bei „Markus Lanz“ durchaus den Anspruch, politische und gesellschaftliche Aktualität zu diskutieren. Es lag daher nahe, auch wenn andere dies in anderer Form bereits getan haben, sich gestern Abend mit der Sexismusdebatte zu beschäftigen.

Ihre Kritik an der Art und Weise, wie in den Sendungen des ZDF über Sexismus gesprochen wird, haben wir gerne den thematisch angesprochenen Redaktionen mitgeteilt. Ihre Stellungnahme wird außerdem als Teil der Zuschauerresonanz festgehalten und trägt dazu bei, die weitere Programmarbeit des ZDF zu diskutieren und zu bereichern.

Wir freuen uns, wenn Sie auch weiterhin zu unseren interessierten Zuschauern gehören.
« Letzte Änderung: Februar 02, 2013, 19:26:01 Nachmittag von TochterEgalias »

TochterEgalias

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Re: Offener Brief an die öffentlich rechtlichen Fernsehsender
« Antwort #2 am: Februar 03, 2013, 12:53:26 Nachmittag »
Mittlerweile glaube ich, dass ein Brief, so unter wahrscheinlich tausend anderen Briefen an ARD und ZDF nicht viel bringt. Da muss mehr Wums hinter. ;)

Deswegen habe ich eine Petition gestartet, bei change.org und hoffe nun, dass sie möglichst viele Menschen unterschrieben, damit ich sie an die Verantwortlichen bei ARD und ZDF weiterleiten kann.

Hier gehts zur Petition: http://www.change.org/de/Petitionen/ard-zdf-und-die-dritten-programme-kl%C3%A4rt-endlich-angemessen-%C3%BCber-den-sexismus-in-dieser-gesellschaft-auf

TochterEgalias

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Re: Offener Brief an die öffentlich rechtlichen Fernsehsender
« Antwort #3 am: Mai 24, 2013, 00:03:34 Vormittag »
Wir haben letzten Monat an die Rundfunkräte und Intendant*innen der ÖR eine Programmbeschwerde zu den Talkshows: Günther Jauch, Anne Will, Menschen bei Maischberger, ZDF log, Maybrit Illner und Wutbürger Paul aus dem zdf.kulturpalast eingereicht, sowie unsere Forderungen aus unserer Petition: http://www.change.org/aufschreitv.

Wir haben alle ARD Rundfunkräte, den ZDF Fernsehrat und alle Intendant*innen der Landesrundfunkanstalten einzeln angeschrieben und Stellungnahmen eingefordert. Beim ZDF haben wir zusätzlich ein Programmbeschwerdeverfahren eingeleitet. Die Intendant*innen sind mit dem Rundfunkrat für die Überwachung der Einhaltung des gesetzlichen Sendeauftrags verantwortlich.
  •     Bayerischer Rundfunk (Rundfunkrat)
  •     Hessischer Rundfunk (Rundfunkrat)
  •     Mitteldeutscher Rundfunk (Rundfunkrat)
  •     Norddeutscher Rundfunk (Rundfunkrat Hamburg, Rundfunkrat Niedersachsen, Rundfunkrat Mecklenburg - Vorpommern, Rundfunkrat Schleswig - Holstein)
  •     Radio Bremen (Rundfunkrat)
  •     Rundfunk Berlin-Brandenburg (Rundfunkrat)
  •     Saarländischer Rundfunk (Rundfunkrat)
  •    Südwestrundfunk (Rundfunkrat Baden-Württemberg und Rundfunkrat Rheinland-Pfalz)
  •     Westdeutscher Rundfunk (Rundfunkrat)
  •     ZDF (Fernsehrat)
  •     ARD (Programmbeirat)


An die ARD hatten wir folgendes Schreiben gerichtet:

Programmbeschwerde zur „Sexismus-Debatte“ im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

Sehr geehrte Damen und Herren,

sicherlich haben Sie von unserer Petition Kenntnis genommen, die derzeit
unter http://change.org/aufschreiTV  läuft.

Uns fehlt eine angemessene Berichterstattung über Sexismus in Ihrem Programm.
Und dabei ist es dringend notwendig, intensiv über Sexismus aufzuklären, da in
der Gesellschaft eine große Uninformiertheit darüber herrscht.

Dies führt zu Spott und Verharmlosung zu Lasten der Opfer, leider auch in Ihren
bisherigen Sendungen zum Thema. Konkret geht es um die Sendungen:

Günther Jauch, am 27. Januar 2013: "Herrenwitz mit Folgen – hat
Deutschland ein Sexismus-Problem?"
Anne Will, am 30. Januar 2013: "Sexismus-Aufschrei - hysterisch oder
notwendig?"
Menschen bei Maischberger, am 16. April 2013: „Die Sexismus-Debatte:
Was hat sie gebracht?"

Es stellt sich die Frage, wie dem Thema angemessen begegnet werden kann
und ob Talkshows hierfür das richtige Format sind.

Die oben genannten Sendungen verstießen gegen den gesetzlichen Bildungsauftrag
der öffentlich-rechtlichen Sender, da durch Fehlinformation keine eigene
Urteilsbildung und keine Gewissensbildung in der Gesellschaft möglich war.
Es fand eine eklatante Fehlinformation zum Thema Sexismus statt. Es
wurden kaum oder falsche Informationen zum Begriff  "Sexismus" vermittelt,
da "Sexismus" oft mit "sexueller Belästigung" gleichgesetzt wurde, so dass eine
sachliche, inhaltliche Diskussion gar nicht möglich war.

Die Sendungen wurden dem Auftrag nicht gerecht Hintergründe und
Zusammenhänge zu erhellen. Es waren keine Orientierungshilfen, das Gesehene
und Gehörte einzuordnen, vorhanden, so dass eine Einordnung und Gewichtung der
Information beim Zuschauer nur schwer stattfinden konnte.

Viele Menschen haben keinen Einblick in die Situation von Frauen, die
sich tagtäglich mit sexueller Belästigung und Sexismus konfrontiert
sehen, so dass sie diese Probleme schwer oder gar nicht nachvollziehen
können.

Die Berichterstattung zeugte in keiner Weise von einem Willen zur
Sachlichkeit, da selbst die Moderator*innen und ein Großteil der
eingeladenen Gäste nicht ausreichend über das Thema informiert waren.

Die Sendungen wurden der Ernsthaftigkeit und Schwere des Themas nicht
gerecht. Dies kann vor allem auch für Mädchen und junge Frauen, die von
Sexismus und sexueller Belästigung betroffen sind, eine zusätzliche
Demütigung bedeuten und verheerend für das eigene Selbstwertgefühl sein.
Wir bitten Sie deshalb, in Zukunft den besonderen Lebensumständen von
Mädchen und jungen Frauen in Ihrem Programm Rechnung zu tragen.

Gewisse Aussagen können Vorurteile schüren. Derzeit werden massiv
Vorurteile gegenüber Frauen, die von sexueller Belästigung und Sexismus
betroffen sind, geschürt.
Sie würden übertreiben, seien hysterisch und würden einen "Tugendfuror"
verbreiten, denn nun sei es genug mit der Bevorzugung und dem "Opferabo"
von Frauen. Dies sind Aussagen, die viele von uns zu hören oder zu lesen
bekommen, wenn wir uns für unsere Rechte, die eigentlich selbstverständlich
sein sollten, einsetzen wollen.

Die Gleichstellung von Mann und Frau ist leider mitnichten erreicht.
Klären Sie über diese Umstände auf und verhindern Sie die Verbreitung
von Vorurteilen! Geben Sie sachgemäße Informationen und stärken Sie so
die politische Urteilsfähigkeit der Bevölkerung!

In diesem Zusammenhang wäre es auch wichtig gezielt über die Geschichte von
Frauen in Deutschland zu Informieren und aufzuklären. Die
Frauenbewegungen und die wirklich umwälzenden Veränderungen, die diese
für unsere Gesellschaft bedeuteten und noch bedeuten, sind im
Allgemeinwissen von nur wenigen Menschen präsent.

Positiv sind dagegen die folgenden Sendungen hervorzuheben, die
wirklich zur Aufklärung beitrugen, allerdings, im Gegensatz zu
den vorher genannten Sendungen, keinen besonders guten Sendeplatz in
Ihrem Programm erhielten:
ARD Morgenmagazin, am 28. Januar 2013: "Sabisch: Sexismus ist eine
gesellschaftliche Struktur"
NDR Panorama, am 29. Januar 2013: "Sexismus-Aufschrei: Ende des Schweigens"

Der Gleichstellung von Mann und Frau ist allen Sendungen Rechnung zu tragen.

Wir fordern Sie daher auf, Ihrem gesetzlichen Auftrag gerecht zu werden
und die Bevölkerung angemessen über das Problem Sexismus aufzuklären.

Bisher haben bereits 2.500 Menschen die Petition unterzeichnet und teilen
unsere Kritik an Ihrem Programm, in Bezug auf das Thema Sexismus.

Wir möchten Sie hiermit über die Forderungen, die sich aus unserer
Kritik ergeben, informieren und Ihnen Gelegenheit zu einer Stellungnahme
geben. Diese würden wir an die Unterzeichner*innen der Petition weiterleiten
und auf der Petitionsseite veröffentlichen, um über den Fortschritt unseres
Anliegens zu informieren.

Bitte nehmen Sie unser Anliegen ernst, da Information und Aufklärung
über dieses Thema derzeit noch nicht ausreichend geschieht und durch
Aufklärung endlich eine wirkliche Gleichstellung der Geschlechter
erreicht werden könnte.

Im Folgenden erhalten Sie die in unserem Petitionstext enthaltenen
Forderungen:
 
- Wir fordern die Intendant*innen sowie die Rundfunkräte der
öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auf, eine Stellungnahme zu
sexistischen Inhalten in ihrem Programm abzugeben.

- Wir fordern ein klares Bekennen zum gesetzlichen Auftrag, auch über
Sexismus zu informieren, aufzuklären (z.B. über die Zusammenhänge von
Sexismus, sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt) und politisch
zu bilden.

- Wir fordern Fachleute zum Thema einzuladen (die auch Zeit bekommen,
Fakten zu nennen).

- Wir fordern ausreichende Recherche (keine uninformierte Moderation).

- Wir fordern Respekt gegenüber Betroffenen (keine Verhöhnung, kein
Lächerlichmachen).

- Wir fordern keine Schuldumkehr bezüglich sexistischer Übergriffe.

- Wir fordern dem Grundsatz der Gleichstellung von Mann und Frau in
allen Sendungen Rechnung zu tragen und dem Verbreiten von sexistischem
Gedankengut entgegenzuwirken.



Wir haben eine Stellungnahme von der ARD bekommen. Die Antwort vom ZDF steht noch aus.
« Letzte Änderung: Mai 24, 2013, 12:43:21 Nachmittag von TochterEgalias »

TochterEgalias

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Re: Offener Brief an die öffentlich rechtlichen Fernsehsender
« Antwort #4 am: Mai 24, 2013, 20:57:21 Nachmittag »
Eine weitere Antwort kam vom WDR:

TochterEgalias

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Re: Offener Brief an die öffentlich rechtlichen Fernsehsender
« Antwort #5 am: Juni 20, 2013, 23:25:54 Nachmittag »
Mittlerweile haben wir auch vom ZDF eine Stellungnahme erhalten.
« Letzte Änderung: Juni 20, 2013, 23:27:33 Nachmittag von TochterEgalias »

TochterEgalias

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Re: Offener Brief an die öffentlich rechtlichen Fernsehsender
« Antwort #6 am: Juni 20, 2013, 23:29:27 Nachmittag »
Unsere Antwort an den ZDF Intendanten:

Sehr geehrter Herr Intendant Dr. Thomas Bellut,

wir bitten Sie, zur Kenntnis zu nehmen, dass es sich bei unserem Brief nicht um eine einzelne persönliche Beschwerde handelte, sondern um eine Aufforderung zur Stellungnahme bezüglich unserer Petition “Für unsere GEZ-Gebühren: Klärt endlich angemessen über den Sexismus in dieser Gesellschaft auf!”, die bislang von gut 2600 Organisationen und Menschen unterschrieben wurde. (http://www.change.org/aufschreiTV)

Unsere Forderungen für unsere GEZ-Gebühren:

1) Wir fordern die Intendant*innen sowie die Rundfunkräte der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auf, eine Stellungnahme zu sexistischen Inhalten in ihrem Programm abzugeben.

2) Wir fordern ein klares Bekennen zum gesetzlichen Auftrag, auch über Sexismus zu informieren, aufzuklären (z.B. über die Zusammenhänge von Sexismus, sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt) und politisch zu bilden.

3) Wir fordern, Fachleute zu Sexismus einzuladen (die auch Zeit bekommen, Fakten zu nennen).

4) Wir fordern ausreichende Recherche zu Sexismus (keine uninformierte Moderation).

5) Wir fordern Respekt gegenüber Betroffenen (kein Lächerlichmachen).

6) Wir fordern keine Schuldumkehr bezüglich sexistischer Übergriffe.

7) Wir fordern dem Grundsatz der Gleichstellung von Mann* und Frau* in allen Sendungen Rechnung zu tragen und dem Verbreiten von sexistischem Gedankengut entgegenzuwirken.

In den von Ihnen genannten Sendungen fand keine Aufklärung statt, sondern es wurden Pro und Kontra-Gäste eingeladen zur Unterhaltung der Zuschauer. Von den Öffentlich-Rechtlichen ist im Gegensatz zu den Privatsendern zu erwarten, dass unsere o. g. Forderungen erfüllt werden ohne, dass explizit darauf hingewiesen werden muss.

Es geht nicht alleinig darum, Betroffenen aufzuzeigen, wie sie sich wehren können. Logischer und wichtiger wäre es, Tätern aufzuzeigen, dass sexistisches Verhalten verachtenswert und nicht tragbar ist.

Leider verwechseln die meisten Menschen immer noch Sexismus mit Sexualität. Flirten mit sexueller Belästigung. In diesen Punkten sind die Öffentlich-Rechtlichen gefragt, um aufzuklären und sexistischem Gedankengut entgegenzuwirken.

Sexismus, in Form von sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt, ist ein wichtiges gesellschaftliches Thema. Ein respektvoller Umgang, Aufklärung und wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind die Aufgaben öffentlicher Medien.

Das war in den vergangenen Sendungen als auch in den gegenwärtigen Sendungen nicht der Fall. Der “Aufschrei” machte vielen Menschen Mut, endlich zu reden. Die Forderungen der Menschen sind nicht erfüllt. Ist es nicht endlich Zeit für einen Wandel?

Als Beschwerdeführerinnen und im Namen der Petitionsunterzeichner*innen sind wir mit der Antwort nicht zufrieden und fordern eine Behandlung der Beschwerde im Fernsehrat nach § 21 Beschwerdeordnung.

Eine ausführliche Erläuterung zur Weiterleitung an den Beschwerdeausschuss geht Ihnen in Kürze fristgemäß zu.
« Letzte Änderung: Juni 20, 2013, 23:43:18 Nachmittag von TochterEgalias »

TochterEgalias

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Re: Offener Brief an die öffentlich rechtlichen Fernsehsender
« Antwort #7 am: Juni 20, 2013, 23:38:00 Nachmittag »
Mit den bisherigen Antworten sind wir nicht zufrieden. Wir verlangen eine Behandlung unserer Beschwerde im ZDF-Fernsehrat sowie in den Gremien der ARD.

TochterEgalias

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Re: Offener Brief an die öffentlich rechtlichen Fernsehsender
« Antwort #8 am: Juni 20, 2013, 23:38:30 Nachmittag »
Unser Schreiben an die ARD:

Sehr geehrter Herr Herres,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 7. Mai. Leider gehen Sie darin kaum auf die Kritik und die Forderungen aus unserer Petition ein.

Ihr Ansinnen, dass sich auch Zuschauer*innen mit dem Thema Sexismus beschäftigen mögen, die dies ansonsten nicht tun würden, haben wir zur Kenntnis genommen. Leider sind wir dennoch nicht der Ansicht, dass Talkshows in besonderer Weise, dazu geeignet sind, sich dem Thema zu nähern.
Sexismus ist ein Thema, bei dem es um Diskriminierung und Verletzung von Menschenwürde geht. Eine Debatte in einer TV-Talkshow kann hier nicht angemessen sein. Zudem ist das Thema äußerst vielschichtig. In Talkshows werden oft vereinfachte Darstellungen und sehr subjektive Aussagen getroffen. Diese führen schnell zu falschen Annahmen und Vorurteilen beim Publikum. Dabei fehlt dem Publikum, wie Sie selbst ja anführen, oft das Hintergrundwissen, um solche Darstellungen richtig einzuordnen.

Was weiterhin fehlt, ist eine aufklärende Berichterstattung, die genügend Hintergrundinformation vermittelt und der Schwere des Themas gerecht wird.

In Ihrem Schreiben versichern Sie uns weiter, dass die ARD bereits zahlreiche unserer Forderungen erfülle. Leider geben Sie nicht an, auf welche unserer Forderungen Sie sich dabei beziehen.
Stattdessen teilen Sie uns mit, dass drei der neun Intendant*innen der ARD Frauen sind, und dass es einige Direktorinnen in Landesrundfunkanstalten gäbe.
Unsere Forderungen beziehen sich allerdings auf die Art und Weise Ihrer Berichterstattung über Sexismus und nicht auf das Thema Frauen in Führungspositionen bei der ARD. Da der Frauenanteil sicherlich einen Einfluss auf die Berichterstattung hat, möchten wir trotzdem darauf eingehen.
Laut einer aktuellen Untersuchung von ProQuote Medien e.V., stimmen die von Ihnen angegeben Zahlen leider nicht mehr. Mit Tom Buhrow als Nachfolger von Monika Piel (WDR) ist erneut ein Mann in die Führungsetage aufgerückt. Damit schrumpft die Zahl der Intendantinnnen auf zwei von neun. ProQuote hat außerdem das Mann-Frau-Verhältnis der obersten journalistischen Führungsposten bei öffentlich-rechtlichen Sendern ausgewertet. Wenn Sie sich die Zahlen ansehen, werden Sie feststellen, dass Frauen in den journalistischen Führungspositionen in vielen Landesrundfunkanstalten unterrepräsentiert sind.
Der Zusammenhang, den Sie im Weiteren zwischen unseren Forderungen, familienfreundlichen Arbeitszeiten, Anzahl von Mitarbeiterinnen sowie Gleichstellungsbeauftragten bei der ARD ziehen, erschließt sich uns dagegen nicht.

Dass Sie das Thema Sexismus weiterhin aufgreifen wollen, finden wir sehr wichtig. Die Einschaltquoten sowie die Resonanz in den sozialen Netzwerken auf Sendungen zu diesem Thema zeigen ja auch, wie relevant es für die Gesellschaft ist. Dass es bei der journalistischen Arbeit das oberste Ziel sein sollte gründlich zu recherchieren und Fakten zu erhärten, dem stimmen wir unbedingt zu. Dabei sollten, wie Sie anführen, auch alle Aspekte eines Themas beleuchtet werden. Dies muss jedoch in angemessener Weise geschehen.

Sie sprechen an, dass Betroffene beider Seiten ausreichend zu Wort kommen sollten. Damit setzen Sie voraus, dass es beim Thema Sexismus zwei Seiten gäbe, die in einer Debatte gegeneinander mit Argumenten antreten sollten. Dies ist nicht der Fall.
Es geht eben nicht darum, alle Männer unter Generalverdacht zu stellen und des Sexismus anzuklagen. Daher ist es müßig, sich hier unter dem Deckmantel der Ausgewogenheit, auch der Seite der Männer annehmen zu wollen. Es geht nicht um: Frauen gegen Männer. Es geht darum, über sexistische Strukturen in unserer Gesellschaft aufzuklären und über die geschichtlichen Hintergründe zu informieren. Dabei gibt es nicht nur zwei Seiten, sondern bei weitem mehr Aspekte und Umstände, die beleuchtet werden müssen. Kommen Sie hier Ihrer journalistischen Pflicht zur gründlichen Recherche und wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit nach, sowie Ihrem gesetzlichen Bildungsauftrag.

Aufgrund Ihres Hinweises auf die Kontrollgremien der Landesrundfunkanstalten, möchten wir noch einmal deutlich machen, dass wir mit unseren Forderungen an die ARD, eben darauf hinwirken wollen, dass genau diese ethischen und journalistischen Standards eingehalten werden.

Es geht uns dabei nicht nur um die Kritik an einzelnen Sendungen. Wir fordern Sie dazu auf, Ihrem gesetzlichen Auftrag nachzukommen und über Sexismus in der Gesellschaft aufzuklären.

Daher verlangen wir, dass unsere Beschwerde auch in den Rundfunkräten der Landesrundfunkanstalten, bzw. den entsprechenden Gremien der ARD behandelt wird.

TochterEgalias

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Re: Offener Brief an die öffentlich rechtlichen Fernsehsender
« Antwort #9 am: Juni 20, 2013, 23:38:55 Nachmittag »
Unsere erneute Programmbeschwerde ans ZDF:

Erweiterte Programmbeschwerde, in Bezug auf Ihr Schreiben vom 21.05.2013

In Ihrem Schreiben vom 21.05.2013 gehen Sie leider nur unzureichend auf die konkreten Punkte ein, die in unserer Programmbeschwerde vorgelegt wurden. Daher sehen wir die vorgebrachten Punkte weiterhin als berechtigt an und fordere Sie weiterhin dazu auf, Stellung dazu zu nehmen.

Die Punkte, die Sie in Ihrem Schreiben angeführt haben, haben unsere Bedenken in keiner Weise ausgeräumt.

In Ihrem Schreiben vom 21.05.2013 geben Sie an, dass Frau Frank und Frau Roth, als Gäste Ihrer Talkshow "maybritt illner", ausreichend über Belästigungen im Arbeitsalltag aufgeklärt haben sollen und konkrete Hinweise gegeben haben sollen, wie Frauen sich dagegen wehren können.

Leider müssen wir Ihnen hier widersprechen, da dies nicht zutrifft.
Frau Frank berichtete zwar von der Problematik sexueller Belästigungen im Arbeitsalltag, stellte jedoch fest, dass die Mittel, die Frauen momentan zur Verfügung stehen, um sich zu wehren, nicht ausreichend sind. Selbst wenn Frauen den Weg zur Justiz gehen, sei es "ganz, ganz selten, dass Frauen Recht bekommen".

Im Grunde geht es jedoch nicht darum, was Frauen tun können um sich zu wehren, ebenso wenig wie es darum geht, eine Auseinandersetzung darüber zu führen, ob es Männern zu raten sei, noch allein mit Frauen in den Aufzug zu steigen.
Es geht um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Sexismus, der sich, wie sie richtig erwähnen durch alle Lebensbereiche zieht. Hierüber gilt es aufzuklären, da bisher dafür nur wenig Bewusstsein geschaffen wurde.
Seit der "Debatte", wird der Begriff "Sexismus" synonym zu dem Begriff "sexuelle Belästigung" benutzt. Diese Verwirrung von Begrifflichkeiten, wie sie auch von Moderator*innen wie Maybritt Illner, vollzogen wurde ("Geht es bei Sexismus um eine ganz besondere Form der Machtausübung, die Männer so schnell nicht aufgeben werden?") verhindert eine sachliche und ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema. Ihre Aufgabe, als öffentlich-rechtlicher Fernsehsender, wäre es, über Sexismus und dessen Ursachen und Folgen aufzuklären, zumindest aber über die richtigen Begrifflichkeiten.
Eine Diskussion mit Menschen, die sachlich so gut wie nichts zu dem Thema beitragen können: Wolfgang Kubicki (FDP-Politiker), Sophia Thomalla (Schauspielerin), Ralf Höcker (Medienanwalt), außer ihrer eigenen Meinung, sind wie zu sehen war denkbar ungeeignet, dem Thema mit Ernsthaftigkeit und Angemessenheit zu begegnen.

Wenn Sie sich auf die einzelnen Redebeiträge aus der Sendung "maybritt illner" beziehen wollen, wird Ihnen aufgefallen sein, dass auch Frau Frank, gegen Ende der Sendung genau diese fehlende Ernsthaftigkeit bemängelte.

Einig waren sich die Gäste dagegen am Ende darin, dass ein gesellschaftliches Klima hergestellt werden muss, in dem Fälle von sexueller Belästigung nicht geduldet werden und es Frauen wie Männern als selbstverständlich erscheint dagegen vorzugehen. Dies ist noch nicht erreicht. Erfüllen Sie Ihren gesetzlichen Auftrag und tragen Sie dazu bei.

Ähnlich verhält es sich für die Sendung "ZDF log in". So war, als "Gegenpart" zu Laura Dornheim, Maximilian Pütz eingeladen, der angeblich Männer beim Flirten berät. Da es um das Thema Sexismus geht und eben nicht ums Flirten, konnte auch dieser Talkshow-Gast eigentlich nichts zum Thema beitragen. Dagegen machte er unsachliche Aussagen wie: "Der Feminismus hat die Männer psychisch kastriert". Angesichts von noch nicht erreichter Gleichstellung, bitte überlegen Sie einmal, welche frauenfeindliche und sexistische Einstellung hinter einer solchen Aussage liegt. Wollen Sie als öffentlich-rechtlicher Sender wirklich einer solchen Meinung eine Plattform bieten?

Monika Ebeling, die Mitglied der maskulinistischen Vereinigung Agens war und sich für Meinungen wie "Zurück zu alten Rollen" und gegen Gender-Mainstreaming stark macht, war ebenfalls denkbar ungeeignet für eine solche Sendung. Es sollte in einer differenzierten Debatte um Sexismus eben nicht darum gehen, Frauen gegen Männer auszuspielen und umgekehrt. Dies erzeugt nur weiteren Sexismus und Fronten, dort wo sie gerade abgebaut werden sollten. Demnach fand sehr wohl eine Fehlinformation des Publikums statt. Wenn Sexismus mit Flirten in Verbindung gebracht wird, findet sehr wohl eine Fehlinformation statt. Wenn Vorurteile verbreitet werden, wie Feminismus sei weibliche Hysterie und es gäbe kein Patriarchat mehr, dann findet sehr wohl eine Fehlinformation statt. Wenn über Hintergründe und Begriffe nicht aufgeklärt wird, dann findet sehr wohl eine Fehlinformation statt.

Wenn Sexismus in solchen Debatten verharmlost oder gar für nicht (mehr) existent erklärt wird, führt das zwangsweise dazu, dass Opfer von Sexismus lächerlich gemacht und bloßgestellt werden.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass am Ende der Sendung, bei der Befragung der Zuschauer*innen, 52% der Befragten der Meinung waren, Männer seien "Opfer feministischer Hysterie".

Frau_R

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Re: Offener Brief an die öffentlich rechtlichen Fernsehsender
« Antwort #10 am: Juli 11, 2013, 17:07:02 Nachmittag »
... und wenn man sieht, was sich das ZDF jetzt gerade wieder mit dem TV Spot zur EM der Frauen geleistet hat  :(, ist die Beschwerde nötiger und wichtiger denn je. Traurig aber wahr, verstanden haben die bisher noch gar nichts.

TochterEgalias

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Re: Offener Brief an die öffentlich rechtlichen Fernsehsender
« Antwort #11 am: Juli 15, 2013, 15:20:10 Nachmittag »
Ja, es ist ziemlich zum k... Haare raufen :(

Trotzem ein kleines Update zum ZDF:
Unsere Beschwerde wird am 6. September 2013 im Beschwerdeausschuss behandelt. Der Fernsehrat wird dann in seiner nächsten Sitzung, am 18. Oktober 2013 über unsere Beschwerde beraten.

Ich hoffe, dass im Beschwerdeausschuss wenigstens Menschen sitzen, die ein wenig mehr Ahnung von der Materie haben, als der ZDF-Marketingchef Grimm. Im Fernsehrat haben wir jedenfalls mindestens eine Stimme für uns gewinnen können. Aber wir könnten noch ein paar mehr gebrauchen, damit sich da wirklich was tut.

TochterEgalias

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Re: Offener Brief an die öffentlich rechtlichen Fernsehsender
« Antwort #12 am: Dezember 08, 2013, 17:57:37 Nachmittag »
Der ZDF-Fernsehrat hat am 18. Oktober 2013 getagt und über unsere Programmbeschwerde zur "Sexismus-Debatte" beraten. Nun haben wir das Ergebnis.

Wie kaum anders zu erwarten, wurde unsere Beschwerde als unbegründet abgelehnt.

Das ZDF sieht in Bezug auf die Sendungen "ZDF log in" und "maybrillt illner" keinen Verstoß gegen die eigenen Richtlinien.

Leider haben wir keinen Einblick in welcher Weise der Fernsehrat das Thema und unsere Beschwerde behandelte. Wir können nur Vermutungen anstellen.

Die Entscheidung wurde uns auch in keiner Weise begründet (Antwortbrief des ZDF-Fernsehrates).

Hier ist der Text unserer Beschwerde noch einmal verlinkt: http://prochange.tumblr.com/post/53678830201/update-petition-ard-zdf-und-die-dritten-programme

Auf unser Schreiben, welches wir an die ARD gerichtet hatten (Brief an Volker Herres) kam keine weitere Antwort. Auch hier können wir nur mutmaßen, ob unsere Beschwerde etwas bewirkt hat.

Durch die #aufschrei-Debatte zu Anfang des Jahres scheint aber beim ZDF etwas angestoßen zu sein.
Gerade liefen im ZDF Sendungen wie: "Der große Frauen-Check" in ZDF-History, bei dem sich das ZDF "mit der Rolle der Frauen in unserer Gesellschaft" auseinandersetzen will, und die Dokuserie "Frauen, die Geschichte machten. So weit so gut. Ein Teil unserer Programmbeschwerde forderte ja, endlich mehr Wissen über die Geschichte der Frauenbewegung und die Geschlechterrollen in unserer Gesellschaft zu vermitteln.

Leider gab es aber auch an diesen Sendungen einiges zu kritisieren.
Z.B. haben Frauen* laut ZDF-Frauen-Check "Von Natur aus die besseren Karten", mit "Jugend und Attraktivität, dem Mann zu gefallen und ihn gewinnen" zu wollen. Dies sei "das älteste Spiel, seit Adam und Eva". Na dann können wir uns ja alle entspannt zurücklehnen... und dem Comedian Lutz van der Horst zuhören, durch dessen Kommentare dem ganzen Thema wiedereinmal ein lächerlicher Touch verliehen wird. Abgesehen davon, dass ernsthaft die Frage gestellt wird, wieviel "Gleichberechtigung denn möglich und nötig" sei. Der grosse Frauen-Check.
(Beschweren könnt ihr euch hier: http://www.zdf.de/Beschwerdeverfahren-25116670.html)

Die ZDF-Dokuserie "Frauen, die Geschichte machten", die mit dem ersten Teil "Kleopatra" gerade ihren Anfang machte, war sicherlich gut gemeint aber im Ergebnis ernüchternd. Zwar scheint das ZDF nun entdeckt zu haben, dass auch Frauen in der Geschichte eine Rolle spielten (man erinnere sich an die Geschichts-Dokumentation "Die Deutschen", wo es eine Frauenquote von 2 porträtierten Frauen* zu 18 Männern* gab). Die dargestellten Geschlechterbilder sind aber haarsträubend, so dass sich leider auch diese Sendung in die Fehlschläge des ZDFs zu diesem Thema einreiht.
(Eine Liste einiger Fehlschläge gibt es z.B. hier: http://hanhaiwen.wordpress.com/2013/07/19/die-diskriminierenden-klogriffe-des-zdf)
Da in den nächsten Wochen noch weitere Teile der Serie laufen, kann sich jede*r ein eigenes Bild machen.

Ob die Ausstrahlungen der Sendungen mit unserer Petition zu tun haben, können wir von Außen nicht beurteilen. Dennoch halten wir es für wichtig, weiterhin das Programm zu beobachten und sich gegebenenfalls zu beschweren.
Macht also weiterhin Druck und beschwert euch! Hier und hier ist das möglich.
Bei ARD und ZDF gibt es noch viel zu tun.
« Letzte Änderung: Dezember 08, 2013, 19:12:36 Nachmittag von TochterEgalias »